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Ausfahrt im Elektro-Mietwagen: Ein Tag Zukunft für 59 Euro

Die Elektromobilität ist derzeit in aller Munde, doch bis sich der normale Autofahrer ein eigenes Stromfahrzeug leisten kann, werden noch viele Jahre vergehen. Für einen überschaubaren Preis kann man jedoch auch heute schon die Mobilität von morgen testen. Der Autovermieter Sixt offeriert derzeit in einer Art Tournee nacheinander in ganz Deutschland eine Elektro-Version des Fiat 500 zum Preis von 59 Euro/Tag. Das wollten wir uns nicht entgehen lassen.

Zurzeit und noch bis zum 30. Juni stehen die Elektro-Fiats an der Sixt-Station am Limbecker Platz in Essen. Danach geht die Autostrom-Tour für jeweils zwei Monate nacheinander nach München, Hamburg, Dresden/Leipzig, Berlin und Frankfurt/Main. Die Reservierung per Telefon verlief problemlos und das Fahrzeug wurde uns inklusive eines allerdings schon fast leeren mobilen Navigationsgeräts zur Verfügung gestellt.

An was sich Fahrer, Mitfahrer und vor allem Passanten im neuen Zeitalter schnell gewöhnen müssen ist die neue Lautlosigkeit. Es ist immer noch irritierend, wenn nach dem Drehen des Zündschlüssels vermeintlich nichts passiert. Aber unser Fahrzeug, ein vom Hamburger Spezialisten Karabag umgebauter Fiat 500, ist natürlich auch ohne Motorengeräusch startklar.

Nach 50 Metern kommt schon der erste Ampelstopp und wir können gleich zwei Stärken eines Elektrofahrzeugs bewundern: Im Stand herrscht herrliche Ruhe und beim Start lässt man auch deutlich größere und schwer motorisierte Fahrzeuge leicht hinter sich. Zumindest auf den ersten 30 Metern. Grund für die Spritzigkeit unseres kleinen Stromers ist die physikalische Tatsache, dass der 30 Kilowatt oder 41 Pferdestärken leistende Elektromotor anders als ein Benziner oder Diesel sein maximales Drehmoment nicht erst aufbauen muss, sondern bereits mit der ersten Umdrehung voll zur Verfügung stellt.

Der kleine Italiener ist schon als Serienmodell ein schönes Stadtauto, in der Elektro-Konfiguration mit Lithium-Ionen-Akkus ist er sogar der ideale Cityflitzer. Aber höllisch aufpassen muss man als Fahrer doch (noch). Denn gerade abseits der voll belebten Straßen zeigen Fußgänger die fatale Neigung, die Straße zunächst nach Gehör zu überqueren. Das führt abseits der Essener Innenstadt das eine oder andere Mal zu unerfreulichen Situationen. Elektroautos und Fußgänger – die müssen sich offensichtlich aneinander gewöhnen.

Essen ist RWE-Revier. Der Stromanbieter hat schon einige Ladestationen installiert, die man mit dem Sixt-Mietwagen anfahren darf. Das Laden geht (fast) so einfach wie an die Benzinzufuhr an der Tankstelle. Das mitgelieferte Kabel wird einfach eingesteckt, zunächst vorne am Fiat, wo sich die Steckdose geschickt unter dem Markenemblem versteckt und dann an der Ladesäule. Das geht einfach und kostet den Freundschaftspreis von 4 Cent pro kWh. Das allein sagt noch nichts aus, aber unsere Überschlagrechnung zeigt: 100 Kilometer Stadtverkehr lassen sich so locker für zwei Euro zurücklegen.

Eine tolle Sache, zumal der Elektro-Fiat theoretisch 140 Kilometer Reichweite schafft. Wie gesagt, theoretisch. Denn wenn man mal den Gasfuß, man sollte besser Stromfuß sagen, durchdrückt, leert sich der „Tank“, respektive der Stromspeicher, doch schneller als gedacht. Und das „Tanken“ selbst will genau überlegt sein. Zwar plant RWE allein für Nordrhein-Westfalen bis Jahresende die Installation von 400 Ladestationen, doch noch sind die Stromspender außerhalb Essens nur schwer zu finden. Unser Navi immerhin zeigt die wenigen Stationen zuverlässig an. Wer seinen Speicher komplett geleert hat, benötigt übrigens mit dem 8-kW-Stecker satte drei Stunden, bis die Batterien wieder voll gefüllt sind. Doch die Entwicklung hat ja gerade erst so richtig begonnen, bis wir uns ein solches Fahrzeug leisten können, wird noch einige Zeit ins Land gehen und die Technik sicher weiter fortschreiten.

Unser kleiner Fiat 500, der mit Benzinmotor ab 11.200 Euro zu haben ist, kostet in der Elektro-Version stolze 49.314 Euro – und ein paar Extras können auch noch dazu bestellt werden. Da kommen einem die 59 Euro Mietgebühr bei Sixt fast schon wie geschenkt vor. Zumindest sind sie ein faires Angebot für die Möglichkeit, einen ganzen Tag lang Elektromobilität zu testen. Peter Eck/SP-X

Technische Daten:
Karabag/Fiat 500 E, 30 kW Elektromotor, Lithium-Ionen-Batterie mit 22 kWh, Vmax: 110 km/h, Reichweite: 140 km/h, Ladezeit: 3 Stunden

Peter Eck/SP-X

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