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Einmal zahlen reicht (nicht)

Flatrates könnten E-Auto-Fahrern das Laden erleichtern. Erste Angebote gibt es bereits, doch sie haben einen Haken.

Karten-Wirrwarr und mangelnde Tarif-Transparenz: Die aktuelle Situation auf dem Fahrstrom-Markt erinnert an die Frühzeit des Mobilfunks. Nicht wenige E-Mobilisten hoffen auf die Lösung in Form von Flatrates, die auch beim Handy letztlich für Beruhigung gesorgt haben. Doch die All-you-can-Charge-Angebote dürften auf absehbare Zeit keine ernsthafte Option sein.

Seit einigen Monaten sind erste Ladeflatrates auf dem deutschen Fahrstrom-Markt zu bekommen. Erster Anbieter war das Start-up Elvah, mittlerweile sind weitere Unternehmen wie Jucr dazu gestoßen. Das Angebot ist jeweils ähnlich: Für einen festen monatlichen Betrag soll der Kunde an den Säulen teilnehmender Betreiber ohne weitere Kosten laden können. Typische Preise liegen zwischen rund 50 Euro (nur Wechselstrom-Laden) und 100 Euro (auch Gleichstrom-Laden).

Bei näherem Hinsehen gibt es aber einen Haken – das „Fair Use“-Gebot. Wer zu viel lädt, bekommt den Strom abgedreht. Bei Markstart sind solche Klauseln zu Werbezwecken oft noch weich formuliert und klingen wie ein Appell an die Vernunft, häufig werden die Bedingungen aber schon bald festgezurrt. Bei Jucr ist das monatliche Strombudget beispielsweise seit kurzem auf 450 kWh beziehungsweise auf eine Jahresfahrleistung von 30.000 Kilometern begrenzt. Elvah zieht die Grenzen bei 500 bis 1.000 kWh.

Solche Limits sind nachvollziehbar und legitim. Eine echte Flatrate sind die Angebote so aber nicht. Verglichen mit Mobilfunk-Tarifen handelt es sich eher um so etwas wie eine Guthabenkarte. Viele Kunden hoffen allerdings eher auf ein Modell wie bei Netflix: Einmal zahlen und dann so viel gucken beziehungsweise tanken wie man will. Derartige Angebote dürften bei Fahrstrom jedoch auf absehbare Zeit für Anbieter zu teuer sein. Denn der Markt ist ein Flickenteppich aus unzähligen Ladesäulenbetreibern, mit denen jeweils einzelne Roaming-Abkommen geschlossen werden müssten. Und zwar solche, bei denen der Flatrate-Anbieter möglichst selten draufzahlt. Kaufmännisch ist das ein Alptraum. Vor allem für die eher kleinen Start-ups, die sich zunehmend auf dem „Flatrate“-Markt engagieren.

Holger Holzer/SP-X

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