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VW E-Golf: Vom Studieren der elektrischen Zukunft

VW führt den Prototypen des Golf blue-e-motion vor. Der Versuchträger hat eine ganze Reihe pfiffiger Ideen, die bei der elektrischen Mobilität Effizienz und Fahrspaß liefern sollen. Der 85 kW/115 PS starke E-Motor soll den alltagstauglichen Viertürer 135 km/h schnell machen und mit einer Batterieladung etwa 150 Kilometer weit bringen. In den Handel kommt der E-Golf aber erst 2013.

VW führt den Prototypen des Golf blue-e-motion vor. Der Versuchträger hat eine ganze Reihe pfiffiger Ideen, die bei der elektrischen Mobilität Effizienz und Fahrspaß garantieren. Der 85 kW/115 PS starke E-Motor soll den alltagstauglichen Viertürer 135 km/h schnell machen und mit einer Batterieladung etwa 150 Kilometer weit bringen

Nun ist die Katze aus dem Sack. Nach langer Zurückhaltung räumt VW ein, dass Elektrofahrzeuge im Straßenverkehr der Zukunft eine nicht unerhebliche Rolle spielen werden. 2013 sollen die ersten Serienfahrautos auf den Straßen fahren. Sven Patuschka, Leiter Elektrik- und Elektronik-Entwicklung bei VW, hat mit seinem Team jetzt schon einen Golf-Prototypen mit hohem Alltagsnutzen konfiguriert, der neben beachtlichen Fahrleistungen auch eine ordentliche Reichweite bietet.

Das schwächste Glied in der Energiekette ist immer noch die Batterie. Lithium-Ionen-Akkus müssen es sein, um das derzeitige Optimum an Speicherkapazität bereit zu stellen. Im Golf blue-e-motion setzt der Speicher sich aus 180 einzelnen Zellen zusammen, die gemeinsam eine Kapazität von 26,5 Kilowattstunden ergeben. Sie sind unter der Rückbank und in jener Baugruppe untergebracht, die einst als Getriebetunnel bezeichnet wurde.

315 Kilogramm wiegt der Akku, das macht den Elektro-Golf 1.545 Kilogramm schwer, 205 Kilogramm mehr als ein Golf Blue Motion mit Dieselmotor auf die Waage bringt. Beim Beschleunigen fällt das Mehrgewicht kaum auf. 270 Newtonmeter Drehmoment stehen aus dem Stand heraus bereit. Das ermöglicht einen Sprint von 0 auf 100 km/h in 11,8 Sekunden, auch der kurze Zwischenspurt gelingt flink und verleiht dem Golf eine ordentliche Portion Agilität. Allein in Kurven fällt die Last zur Last, dann wirkt der Elektrowagen noch ein wenig behäbig.

Bei 135 km/h setzt die Elektronik der Beschleunigung ein Ende, theoretisch, so Sven Patuschka, seien etwa 170 km/h Höchstgeschwindigkeit möglich. Der Energieeinsatz für hohes Tempo steigt jedoch exponentiell, um angemessene Reichweiten zu erzielen, wird die Geschwindigkeit limitiert. Beim Bremsen gewinnt der Golf über seinen Elektromotor Strom zurück. 40 Prozent Rekuperation strebe man an. Für Fahrspaß sorgt im Prototypen Rückgewinnung in drei Stufen, die über Schalttasten am Lenkrad angewählt werden können. Dies suggeriert beim Anbremsen von Kurven eine ähnliche Dynamik wie beim manuellen Zurückschalten eines Verbrennungsmotors, ein schöner Weg, den Elektrowagen mit ein paar Emotionen auszustatten. Außerdem gibt es ein Fahrprogramm, das „segeln“ erlaubt, eine Entkopplung von Antrieb und Rädern, das ein energieloses, ungebremstes Ausrollen etwa vor Ampeln möglich macht. Den aktuellen Energiefluss stellen der kW-Meter, der statt eines Drehzahlmessers eingebaut wurde, und das Display des Navigationssystems in der Mittelkonsole dar.

Der erhöhte Boden im Kofferraum verkleinert das Transportvolumen des E-Golfs um 38 auf 237 Liter, was für den Alltag immer noch ausreichend ist. Umfangreicher müsste dagegen das Aufladen der Batterie geplant werden. „Ladetechniken sind kein Differenzierungsmerkmal der Hersteller und müssen daher so weit wie möglich standardisiert werden“, sagt Sven Patuschka. Der Golf blue- e-motion hat daher zwei Ladesysteme. Eins arbeitet mit üblichem Haushalts-Wechselstrom und benötigt etwa acht Stunden, um den Akku auf 80 Prozent seiner Kapazität zu laden. Das andere erfordert 400 Volt Drehstrom und schafft die 80-Prozent-Marke in nur etwa 30 Minuten.

VW geht davon aus, dass sich die Preise für Lithium-Ionen-Akkus in den nächsten vier bis fünf Jahren um etwa die Hälfte auf weniger als 200 Euro je Kilowattstunde reduzieren werden. Weitere Fortschritte sind erst von Batterietypen wie etwa Metall-Luft-Akkus zu erwarten, die zurzeit jedoch lediglich als Labormuster erforscht werden. Sie dürften auch mit kürzeren Ladezeiten auskommen. Bis dahin gilt der Regelsatz, der zur Krux der Elektromobilität wird: Eine Zapfpistole für Dieselkraftstoff fördert in der Minute bis zu 50 Liter, was eine Reichweite von etwa 1.000 Kilometer ergibt. Beim Laden einer Batterie reichen 60 Sekunden lediglich für einen Kilometer. Michael Kirchberger SP-X

Golf blue-e-motion – Technische Daten:

Batterietyp: Lithium-Ionen (180 Zellen), Kapazität: 26,5 Kilowattstunden, Gewicht: 315 kg

Motor: Elektromotor, Leistung: 81 kW /110 PS, Max. Drehmoment: 270 Nm ab 0/min

Fahrleistungen: Vmax: 135 km/h (abgeregelt), 0-100 km/h: 11,8 s, Reichweite: etwa 150 km, Gesamtgewicht 1.545 kg, Kofferraumvolumen: 237 Liter

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